Entscheidungssituationen im Beruf gibt es andauernd. Manche sind so normal, dass es mir gar nicht wirklich auffällt, dass ich eine Entscheidung zu treffen habe: Der Innere Autopilot übernimmt und ich handle gemäß erprobter Routinen. Andere Situationen sind da fordernder: Mir wird deutlich, dass es mehrere Optionen gibt. Und erstmal ist keine automatisch „besser“ als die andere. Mein gewohnter Handlungsablauf ist unterbrochen und ich stehe vor der Frage, was ich tun soll. Da bin ich zu einer Entscheidung gerufen. 

Reduziere ich Stunden und mache mich nebenberuflich selbstständig oder arbeite ich lieber weiter in meinem sicheren Job?

Bewerbe ich mich auf eine neue Stelle oder bleib lieber bei dem, von dem ich weiß, was mich erwartet?

Versuche ich in einer schwierigen Teamsituation immer und immer wieder die Sache zum Gute zu gestalten – oder geb ich (resigniert) auf und halte es mit Zähneknirschen aus, bis ich endlich dieses Team verlassen kann?

Studiere ich nochmal oder mach eine weitere Ausbildung – oder zieh mich auf meine Hobbys und mein Privatleben zurück?

Spreche ich ein störendes Verhalten an – oder schau ich darüber hinweg?

Meistens kommen solche Entscheidungssituationen als „entweder – oder“ daher. Das ist ein Dilemma. Scheinbar gibt es nur zwei Alternativen.  Und jede scheint für sich genommen so falsch wie sie auch richtig ist.

Meistens gibt es allerdings mehr als nur zwei Optionen.

Das ist auch das erste Merkmal einer guten Entscheidung:

Eine gute Entscheidung ist eine wirkliche Entscheidung, nicht die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Wenn ich zu einer guten Entscheidung kommen will, muss ich im Entscheidungsprozess das Dilemma des „entweder – oder“ erweitern. Viele Möglichkeiten sind besser als wenige Möglichkeiten.

Das bedeutet also: Ich muss die Frage richtig stellen.

Wenn ich eine „entweder-oder“-Frage stelle schaffe ich mir ein Dilemma. Weite ich die Frage, kann ich weitere Möglichkeiten wahrnehmen.

So wird aus der Frage „Fang ich ein Studium an oder arbeite ich weiter in meinem Beruf (und zieh mich auf meine Hobbys und mein Privatleben zurück)?“ sehr schnell die Frage danach, wie ich eigentlich leben und arbeiten will. 

Und da gibt es deutlich mehr und vor allem andere Antworten als nur „so wie bisher“ oder „etwas Neues“. 

Das verändert meine Motivation: Aus dem „Weg von etwas“ wird ein „hin zu etwas“. Das hat mehr drive, setzt mehr Energie frei.

Das zweite Merkmal einer guten Entscheidung:

Eine gute Entscheidung ist kraftvoll.

Allerdings: Die Mulitoptionalität ist oft genug selbst das Problem: So vieles ist möglich. Was von all dem soll ich machen? Was will ich eigentlich wirklich! machen? 

In Prozess eine gute Entscheidung zu treffen, muss ich mich mit dem beschäftigen, was ich wirklich will und was mir wichtig ist.

Ich muss mir klar darüber werden, was für mich auf dem Spiel steht, weshalb ich überhaupt eine Entscheidung treffen will.

Wenn ich eine wirklich gute Entscheidung treffen will, muss ich mich mit meinen Beweggründen beschäftigen, weshalb ich eine Entscheidung so oder so treffen werde – und warum ich sie gerade jetzt in dieser Situation treffen will.

Tendiere ich zu der einen Möglichkeit, weil „die Leute“ das von mir erwarten? Weil es zu meinem Selbstverständnis gehört, bei einer Störung für Ordnung zu sorgen?

Will ich eine berufliche Situation verändern, weil es für mich unerträglich ist, nicht mit meinen Fähigkeiten wahrgenommen zu werden, für Dinge kritisiert zu werden, die ich für richtig halte?

Bin ich auf Grund meiner Erfahrungen so verbittert, dass ich mit gewaltiger Aggression reagiere (anstatt mit Gelassenheit zu agieren?

Verharre ich im Alten, weil ich nicht weiß, was das ansonsten Neues auf mich zukommt?

Hab ich Angst davor, dass sich das, was ich tue als „falsch“ herausstellt und ich keine Ahnung habe, wie ich mit dem „Scheitern“ umgehen soll?

Wenn ich eine gute Entscheidung treffen will, muss ich mir meiner – ehrlichen – Beweggründe bewusst werden und für mich klären, was mir wichtig ist und was ich wirklich will. Denn: Entscheidungen verwirklichen immer Werte – ob mir das bewusst ist oder nicht. Entscheidungen sind der Ausdruck dessen, was mir wirklich! wichtig ist. 

Eine gute Entscheidung ist kraftvoll, weil sie mich in Kontakt bringt zu dem was ich wirklich! will und was mir wichtig ist.

Auf dieser Basis kann ich einige Möglichkeiten aussortieren. Im Prozess eine gute Entscheidung zu finden, schränke ich meine Wahlmöglichkeiten auch wieder ein.

Meine Ziele und Werte sind die Grundlage für das dritte Merkmal einer guten Entscheidung: Ich prüfe die Entscheidungsoptionen daran, was besser ist für mich und die Welt. 

Das dritte Merkmal einer guten Entscheidung:

Eine gute Entscheidung fördert den Weltfrieden.

Weltfrieden? Ein bisschen hoch gegriffen? Ja. Schon. Aber genau darum geht es. 

Es geht um was. 

Darum, bei welcher Option meine Integrität und meine Autonomie gestärkt werden. 

Darum, was dazu beiträgt, dass ich mich lebendiger fühle. Mehr als „ich“ selbst. 

Welche der Optionen, die zur Wahl stehen lässt mich in meiner Persönlichkeit wachsen. Bei welcher Option kann ich meine Werte deutlicher leben, muss mich weniger verbiegen und mir die Sache weniger schön reden?

Bei welcher Option fängt Deine Seele das Tanzen an und wobei fühlst Du Dich zufriedener? 

Was ist in diesem Sinn also besser für mich?

Und: Was ist besser für die Welt um mich herum? Für die Menschen mit denen ich zusammen lebe? Für die Aufgaben, für die ich mich verantwortlich erklärt habe? Wer ist von den Konsequenzen der Entscheidung noch betroffen? Was was ist gut für diese Menschen? 

Entscheidungen, die nicht nur mich betreffen, müssen auch von denen (mit) getroffen werden, die von den Effekten der Entscheidung betroffen sein werden. 

Und das hat noch einen Aspekt: Was ist besser für die Umwelt und die Menschen in der globalen Welt? Welche Beziehung hat meine Entscheidung zu solchen Begriffen wie „Gerechtigkeit“, „Friede“, „soziale Verantwortung“. „Umweltschutz“?

Wir können wissen, was besser ist, ohne zu wissen, was gut ist

Und zu guter Letzt: Das grundlegende Merkmal einer guten Entscheidung ist, dass sie getroffen wird. Bewusst. Oder eben: Bewusst nicht.

Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen für eine Entscheidung – und es ist ebenso wichtig, die Zeit zu begrenzen, die ich mit diesem Entscheidungsprozess verbringe.

#einfachmachen ist das Ende der Beliebigkeit

Natürlich braucht alles seine Zeit. Und eine Entscheidung braucht ihre richtige Zeit, den kairos.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man an den Halmen zieht

Aber: Das Verschieben von Entscheidungen auf den „perfekten Tag X“, das vor mir her schieben, das Verharren in einer unentschiedenen Situation macht mich nicht lebendig. Das Rumgeeiere des „vielleicht“, des „irgendwann“ geht auf Dauer nicht gut.

Entscheide Dich! Riskiere etwas (und das heißt eben auch: Riskiere eine „falsche“ Entscheidung). Lebe das Leben voller Lust und Leidenschaft – und vertröste Dich nicht selbst auf den nie kommenden Tag der perfekten Entscheidung. 

Es braucht keine „beste“ Entscheidung! 

Eine Entscheidung, zu der Du heute ganz aufrichtig JA! sagen kannst und damit auch Dein Nein! zu anderen Möglichkeiten genügt! 

Welche Effekte sich dadurch auftun: Wer kann das schon wissen?

Du hast nie! die Sicherheit zu wissen, welche Konsequenzen eine Entscheidung wirklich hat. 

Leben ist und bleibt ein Risiko. 

Eine solide, begründete, durchdachte und durchfühlte, eine verantwortete Entscheidung genügt. Sie muss nicht die Beste aller denkbaren Entscheidungen sein. 

Damit verbunden ist allerdings eine allererste Entscheidung:

Du entscheidest Dein Leben.

Kein anderer Mensch. Keine Sachzwänge. Du bist in der Verantwortung!

Was ist eigentlich eine gute Entscheidung?

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